Berichte ehemaliger Schüler
Desweiteren folgen Berichte von ehemaligen Schülern, die ich hiermit ermutigen möchte, mir Anekdoten zu schildern oder schriftlich mitzuteilen, damit diese Schilderungen einen weiteren Einblick in das Dorfleben geben können oder evtl. zur Erheiterung oder Besinnung beitragen.Hier der Beginn der Berichte:
Prügelstrafe ja oder nein
Die große Diskussion im Jahr 2010 um Prügelstrafe sowie die schweren sexuellen Missbrauchsskandale in Schulen, Internaten sowie weltlichen und kirchlichen Einrichtungen sind die Schlagzeilen in allen Medien.An der Volksschule in Mudenbach herrschten wohl auch immer recht raue Sitten. Zur Erziehung der Schüler gehörte auch die bis zur Schließung der Schule 1973 die Prügelstrafe oder zumindest ähnliche Bestrafungen.
Mir wurde berichtet, dass fast alle Lehrerinnen und Lehrer die Prügelstrafe als normal ansahen und kräftig davon Gebrauch machten. Ein besonders strenger Lehrer soll Herr Schupp gewesen sein, der von 1949 bis 1953 in Mudenbach tätig war. Natürlich wurde mancher Blödsinn getrieben von wohl jeder Schülergeneration. Zudem waren auch die Schülerzahlen meist sehr hoch und Unterricht streßig. Aber oft wurde ungerecht, grund- und wahllos geschlagen. Es gab auch "besondere Lieblinge" bei den Lehrern, die bei jeder Prügelstrafe mit dabei waren.
Wir hatten auch Lehrerinnen, die mit sehr schmerzhaften Stockschlägen auf Finger oder Boxhiebe auf die Oberarme ihre Aggressionen los wurden. Oder Schüler wurden in der Dunkelkammer (Besenkammer) auf dem Flur eingesperrt - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: als Kind von acht, neun oder zehn Jahren in eine enge, dunkle Kammer gesperrt. Das würde heute Gefängnisstrafen für die Lehrer nach sich ziehen.
Ehemalige Schüler sagten dazu aber auch, dass ihnen diese Schläge nichts ausgemacht hätten. Das stimmt auch, meist hatte man das schon in der nächsten Stunde vergessen. Aber es gab auch andere, denen es nicht nur körperlich schmerzte. Das höre ich dann aus den oft bitteren Schilderungen - und das nach 50 Jahren und mehr.
Im Anschluß findest du folgenden Eintrag in der Schulchronik auf Seite 261 vom Nov. 1959 von Lehrer Buch, der sich in einem Gewissenkonflikt befand, weil er sich im unklaren war, ob er schlagen darf oder nicht:
(wörtliche Übernahme)
Zur Charakterisierung der Lage des Lehrers im Ort:
Die Dorfbewohner sagen dem Lehrer allgemein: Wir wollen Disziplin in der Schule, schlagen Sie bei den Kindern kräftig drauf!
Anderseits folgende Erfahrung bei Unter- u. Oberstufe: Kinder werden (vermutlich) angehalten, sich nach eventueller körperlicher Züchtigung zu widersetzen (sofern es geht). Nach Erhalt der Schlägen, die unter dieser Voraussetzung von der Norm etwas abweichen können, wird schnellstens ein Arzt aufgesucht, die sichtbaren Merkmale (z. B. Rötung) werden attestiert, mit Hilfe des Attestes ergeben sich (unter gleichzeitiger Anzeige beim Schulaufsichtsbeamten) Geldforderungen an die betr. Lehrkraft.
Soweit der Eintrag von Lehrer Buch!
Hier unter diesem Text ist ein Scann von dem Original-Schulchronik-Eintrag:
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Bericht über Lehrer Alfred Schupp
Anmerkung Rainer Thiel:Auf Anregung im Gästebuch von einem ehemaligen Mudenbacher Bürger, Willi Lotz, der "seinen" Lehrer Schupp in der Schulchronik vermisste, möchte ich dessen Wissensdurst stillen. Er und Rolf Thiel haben mir einiges aus dieser Zeit mitgeteilt, was ich Kürze in ebenfalls auf diesem Wege nachreichen werde.
Lehrer Schupps Tochter Ingrid, die ich über Umwege durchs Internet kennenlernte, hat durch ihre Mitarbeit diesen Bericht erst ermöglicht, den ich hier fast wörtlich wiedergebe:
Alfred Schupp,
der von 1949 bis 1953 im Alter von 22 – 26 Jahren Lehrer an der Volksschule Mudenbach war,
1927 in Bornich, nahe der Loreley geboren, wurde nach dem Besuch des Gymnasiums schnell der Berufswunsch "Lehrer" klar.
Die erste Lehrerstelle verschlug ihn vom Taunus in den Westerwald nach Mudenbach.
Dort lehrte er ab 1949 mit viel Idealismus, gerechter Strenge und dem Ziel, seinen Schülern eine gute Basis für den späteren Lebensweg zu vermitteln.
Eine seiner Überzeugungen war stets, alle Kinder, unabhängig von ihrer familiären Situation, zu fördern.
Das war und blieb immer seine Einstellung, auch manchmal zum Stöhnen der Schüler, denn er "liebte" es, den Lehrstoff mit viel Schreibarbeiten und/oder Kopfrechenübungen zu vertiefen.
Aber Spaß war auch immer dabei, mit "Freiluftunterricht", Schneewanderungen oder Wald- und Wiesenausflügen, um Biologie "live" zu vermitteln.
1953 wechselte er an die Volksschule in Buch – fast eine Rückkehr in die "Heimat", deren zuerst achtklassige Einrichtung er bis 1962 leitete.
Aus dem Westerwald nahm er neben lieben Erinnerungen an seine erste Lehramtsstelle und das gute Essen bei Alfred Thiel (Eltern von Rolf Thiel) in Mudenbachs Metzgerei auch das Liebste mit, das ihn sein Leben lang begleitete: seine Erika (geb. Fischer) aus Stein-Wingert.
1956 wurde sein Sohn Dieter geboren und 1959 seine Tochter Ingrid.
1962 wurde die alte Schule in Buch geschlossen und bis 1970 lehrte er, nun vierklassig, in dem neu errichteten Schulgebäude, bis die Dorfschulen geschlossen wurden und in Nastätten das Schulzentrum der Verbandsgemeinde entstand.
In den Hauptbereichen Biologie, Mathematik und Deutsch unterrichtete er dort bis zu seiner Pensionierung 1987.
Seine Lieblingsschülerin wurde seine Enkelin Jennifer – Tochter von Ingrid, der er wohl seine Charaktereigenschaften Toleranz, Gerechtigkeit, Freiheitswille und Menschlichkeit vererbte.
Bericht vom 14.06.2008
Nachtrag:
Herr Alfred Schupp starb im Jahre 1996, seine Frau Erika lebt noch und freut sich immer über Nachrichten aus dem Westerwald, ihrer alten Heimat.
Unten sind die Fotos beigefügt, die mir von Lehrer Alfred Schupps Tochter Ingrid zur Verfügung gestellt wurden! Für die sehr freundliche und problemlose Unterstützung möchte ich mich an dieser Stelle bei Frau Schupp und Ihrer Tochter Ingrid bedanken! Frau Schupp besuchte mich persönlich 2009 im beisein von Rolf Thiel. Dabei wurden viele erfreuliche aber auch besinnliche Erinnerungen ausgetauscht.
Unter der Rubrik >Schulchronik> Schüler und Lehrer... > wurden einige dieser Fotos nachtragen!
Bericht Lehrer Schupp







