Der quälende Aufstieg beginnt...
Um 3 Uhr in der Frühe verspüre ich das unwiderstehliche Gefühl, daß ich von den 5 Litern Flüssigkeit, die ich täglich in mich hineinschütte, wieder etwas ablassen muß. Mit Verwunderung stelle ich fest, daß kein Wölkchen mehr am Himmel ist. Außerdem ist es völlig windstill. Augenblicklich werde ich von einer unbeschreiblichen Unruhe gepackt, denn ich spüre, daß wir heute unsere Gipfelchance bekommen werden.Ich nehme die Proviantbeutel mit ins Zelt, und Georg und ich stopfen alles was an Schokolade, Keksen und Kraftriegel noch übrig ist in uns hinein. Jede Kalorie, die wir nun in uns speichern, wird uns einige Meter höher bringen.
Nach einem kräftigen Frühstück seilen wir uns an. "Lets go to the summit" rufe ich meinem Kameraden zu und beginnen den langen Anstieg. Nach einer Stunde erreichen wir das Krähennest, eine letzte Lagermöglichkeit in 5250 m Höhe. In dem steilen Anstieg hinauf zum Sattel zwischen dem Nord- und dem Südgipfel treffen wir auf denkbar schlechte Verhältnisse, denn der Sturm der vergangenen Tage hat den losen Neuschnee der Nordseite hier abgeladen. Mühsam quälen wir uns Meter um Meter höher.
Die Anstrengung ist unbeschreiblich, wie ein Hammer schlägt mein Herz gegen den Brustkorb und die Lungen suchen verzweifelt nach mehr Sauerstoff. Endlich erreichen wir den Sattel in 5560 m Höhe, und mit einem mal stehen wir in der Sonne. Georg klagt über starke Kopfschmerzen und Übelkeit, Anzeichen der heimtückischen Höhenkrankheit.
Wir setzen uns neben einen großen, aus dem Eis ragenden Felsbrocken und machen eine erste Verschnaufpause. Ich versuche meinen Kameraden zu motivieren, merke aber sehr bald, daß die Höhe und der anstrengende Aufstieg durch den grundlosen Schnee ihm enorm zugesetzt haben. Georg bleibt zurück im Sattel, während ich den Anstieg fortsetze. Auf dem breiten Grat, der zum Südgipfel hinauf leitet treffe ich auf ideale Bedingungen. Der Sturm hat den Schnee abgetragen und griffigen Firn freigelegt. In einer Höhe von knapp 6000 m, leitet ein kurzer Abstieg auf den sogenannten Sportsground, eine Hochfläche, über der sich der steile Gipfelaufbau noch einmal 200 Höhenmeter aufbäumt.
Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich endlich den verwächteten Gipfelgrat erreiche und ein unbeschreiblicher Ausblick frei wird. Selbst Eisgiganten wie der Mount Hunter, oder gar der 5300 m hohe Mount Foraker (Bild 027) haben von hier oben ein recht unscheinbares Aussehen. Die letzten Meter über den mäßig ansteigenden Grat vermitteln Eindrücke die man in Worten nicht beschreiben kann. Nach einem Wächtenbuckel stehe ich unvermittelt auf dem Gipfel des Mount McKinley (Bild 029)
Es ist völlig anders, als ich mir diesen Moment immer vorgestellt hatte. Kein Siegesgefühl, kein Freudenschrei. Leider auch kein Kamerad, mit dem ich die Erleichterung teilen kann, daß die unmenschlichen Strapazen nun ein Ende haben. Ganz allein stehe ich hier oben, und schaue auf die atemberaubende Eislandschaft, die einige tausend Meter unter mir liegt (Bild 028).
Ich verlasse den Gipfel und steige lagsam wieder über den Grat abwärts. Wo wird Georg jetzt sein? — Schuldgefühle überlagern langsam mein Gipfelglück..!
Alleine zum Gipfel
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beim Abstieg von Lawine überrollt
beim Abstieg von Lawine überrollt







