Paul Gerhard Dressel, ein ehemals Mudenbacher Bürger - im Herzen ist er wohl dies auch heute noch, denn obwohl es ihn schon vor ca. 50 Jahre beruflich in die Ferne zog, ist er bestens über das Dorfgeschehen informiert. Und dazu dient ihm u. a. auch unsere Homepage.
Viele ältere Bürger kennen wohl ebenfalls Paul Gerhard noch, von dem alle mit Hochachtung reden. Paul Gerhard wohnt in Weidenau bei Siegen und sendete mir diese Anekdoten, denen noch weitere folgen sollen:
Der weiße Neger Wumbaba
oder
„Watt hann eesch dann do wirrer verstannen“
Anekdote 1)
Kein Schießen auf der „Wahlder Heed“
Es war im Spätwinter 1940; im Dorf war Einquartierung, „ die vierte Batterie der Schweren Artillerie“, wie Lehrer G. Ortmüller dichtete. Seit einigen Monaten herrschte Krieg, die Artilleristen warteten auf den Befehl zum „Angriff über die deutsche Westgrenze“. Für uns Kinder – ich war damals 7 Jahre alt – war die Ausrüstung der Truppen beeindruckend, besonders Kettenfahrzeuge – Raupenschlepper hieß es damals – und Geschütze, die Geschütze in Reih’ und Glied auf dem Sportplatz, ein Raupenschlepper machte derweil schon mal Bekanntschaft mit der nassen „Owerdörwer Wiss“. Eines Tages rückte die Batterie zu Schießübungen auf den Übungsplatz Wahn bei Köln aus, auf die Wahner Heide, im Dialekt: „WAHNER HEED“. Als man darüber sprach, hatte ich verstanden „WAHLDER HEED“, das ist der Gemarkungsteil der Nachbargemeinde Wahlrod zwischen Hammermühle und Wahlroder Kirche. Es war also etwas Interessantes zu erwarten, denn die „WAHLDER HEED“ konnte man von Mudenbach gut einsehen. Ich sah mich schon als vorgeschobenen Beobachter und wollte dazu den „Kraiz Köbbel“, einen besonders guten Beobachtungspunkt in der Mudenbacher Flur auswählen. Ich hatte mit Niemandem darüber gesprochen, glücklicherweise, wie sich dann herausstellte. Einige Male am Tag ging ich zum „Kraiz Köbbel“; und was sah ich? Nichts! Ganz „bedröbbelt“ ging ich nach Hause, war wohl nichts mit dem Schießen auf der „WAHLDER HEED“.
Anekdote 2)
Was sind Grillianten?
Im Zweiten Weltkrieg wurden in den ersten Kriegsjahren besondere Erfolgsmeldungen getrennt von den regelmäßigen Nachrichten im Radio gesendet, als sog. „Sondermeldungen“. Es war im Sommer 1941, seit einigen Wochen hatte nun die deutsche Wehrmacht auch die Sowjetunion angegriffen; es hagelte so von „Sondermeldungen“ und die Dorfbewohner, in Sorge um ihre Angehörigen an der Front, warteten insgeheim auf die Meldung, dass der Krieg zu Ende sei. Eines Tages war wieder so eine „Sondermeldung“ angekündigt; neugierig wie ich als 8-jähriger war, ging ich zur angekündigten Zeit zu Nachbar „Nösder Oddo“, der ein Radio besaß, wir hatten so etwas nicht, mein Opa wollte kein Radio. In Erwartung, was denn nun im Radio „geroofen“ würde, vernahm ich, dass „der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht dem Kommodore eines Jagdgeschwaders Werner Mölders als erstem Offizier der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern und BRILLANTEN zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen hatte“. Ich konnte mir unter Brillanten nichts vorstellen, vielleicht hatte ich das Wort auch nicht richtig verstanden. Als ich dann nach Hause ging und meine Oma mich fragte „Wat hann se dann geroofen?“, druckste ich herum und sagte, dass ich ihr das aufschreiben würde. Ich schrieb also: „der Mölders hat das Eichenlaub mit Schwertern und GRILLIANTEN .......bekommen“, gab ihr den Zettel und verschwand. Ich kann mich an keine Reaktion meiner Oma erinnern, vielleicht hat sie geschmunzelt, vielleicht hat sie vor sich hin gesagt: “Wat sain dat dann für Dönger?“ Was denn nun genau meinem Helden am Halse hing, darüber wurde ich am nächsten Tag durch das „Westerwälder Volksblatt“ aufgeklärt.







