Anekdote - Saumäßiger Kaiserschnitt
Eine Erzählung von Inge Schmidt nach einer wahren Begebenheit aus dem bäuerlichen Leben in den 50er Jahren bei Familie Wolf in Mudenbach!
Nach dem zweiten Weltkrieg blühte in Mudenbach noch die Landwirtschaft, und somit hatte jeder Haushalt Vieh. Selten erlernten die Mädchen einen Beruf. Sie halfen mit im elterlichen Betrieb. Da mein Vater im 2. Weltkrieg durch eine in Rußland erlittene Minenexplosion mit 38 Jahren erblindete, wurde ich früh zur Arbeit herangezogen. In diesen ersten Nachkriegsjahren gab es noch keine landwirtschaftliche Maschinen. Die Ernten mussten von Hand bearbeitet und mit Wagen, welche von Kühen gezogen wurden, nach Hause gebracht werden.
1948 entschlossen sich meine Eltern zum Anbau von Schweineställen, da kleine Ferkel vom Schweinehändler zu teuer waren. Ein besonderes Ereignis hatten wir auf unserem Hof im Jahr1953. Der Besuch unseres Schweines beim Eber in Wahlrod hatte Erfolg - es wurde trächtig. Als sich die Geburt ankündigte riefen wir unseren Nachbar „Schötz Abab“, der immer bei Geburten unserer Kühe zugegen war. Weil sich der Geburtsvorgang als sehr schwierig erwies, konnte er aber leider auch nicht helfen. So mussten wir „unseren“ Tierarzt Dr. Lengsfeld aus Kroppach rufen.
Dieser riet uns zu einem Kaiserschnitt; einer Operation, die damals eine Sensation war - zumindest bei einem Schwein. Meine Mutter nähte eiligst ein weißes Leinen-Operationstuch. Die Sau wurde betäubt und dann von den anwesenden Männern auf einen bereitgestellten Tisch gehoben. Meine Aufgabe sollte es sein, das Operationstuch in der richtigen Position zu halten, um eine möglichst keimfreie Operation zu gewährleisten. Durch einen Schlitz im Tuch begann der Tierarzt die Operation. Solchem blutigem Anblick nicht gewachsen, wurde mir übel. Schnell löste mein Bruder Horst mich ab - aber ihm erging es ebenso, wie mir. An seine Stelle trat schließlich mein Verlobter Walter, der dann mannhaft die Operation als Helfer durchhielt.
Acht süße, kleine Ferkel fühlten sich nach der schweren Geburt wohl im warmen Stroh und wurden zum Säugen bei der Muttersau angelegt. Sie entwickelten sich prächtig.
Geläutert durch diese schwere Geburt gab es in unserem landwirtschaftlichen Betrieb bis zu dessen Aufgabe nie wieder eine Ferkelsau.
Das Foto zeigt im Original die Schweine-Mutter mit ihren acht Ferkeln, die leider die frische Operationsnarbe verdecken.
Bericht und Foto von Inge Schmidt







